< Nadja Bazynski Siebte in Tel Aviv


21.02.22 11:33 Alter: 133 Tage
Von: Dr. Wolfgang Janko


Neues Format in Heidelberg

IDEM im Para-Judo


Nach zweijähriger Corona-bedingter Pause fanden im Heidelberger Olympiastützpunkt Rhein-Neckar die Internationalen Deutschen Meisterschaften im Para-Judo statt. An diesem Wettkampf, das erste große Turnier nach den Paralympics 2021 in Tokio, beteiligten sich insgesamt 50 Judoka aus neun Nationen aus Europa, hinzu kamen Nationalkämpfer aus den USA.

Erstmals wurde im neuen olympischen Wettkampfformat gekämpft, was erhebliche Veränderungen für die Athleten mit sich bringt. Bisher wurden die blinden und sehbehinderten Judoka in drei Wettkampfklassen klassifiziert, die am besten so erklärt werden können: B1 für vollblinde Judoka, B2 für stark sehbehinderten Judoka und B3 für sehbehinderte Judoka. Aber in den Wettbewerben gab es keine Trennung. B1-, B2- und B3-Judoka kämpften immer gemeinsam in einem Wettbewerb. Benachteiligt in diesem System waren sicherlich die voll blinden Judoka. Wer seine Gegner und deren Kampfstile und Taktiken selbst sehen und studieren konnte, hatte sicherlich einen nicht unerheblichen Vorteil gegenüber jenen, die auf Informationen durch andere angewiesen waren.

Das neue Wettkampfsystem, das bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris gilt, nimmt darauf Rücksicht. Denn nun gibt es zwei Wettkampfklassen, also getrennte Wettbewerbe: J1 für blinde Judoka (vorher B1) und J2 für sehbehinderte Judoka (vorher B2). Klassifizierte B3-Judoka können zukünftig nicht mehr an den paralympischen Judowettkämpfen teilnehmen.

Als weitere Maßnahme wurden die sieben olympischen Gewichtsklassen auf jetzt nur noch vier reduziert. Ab sofort kämpfen die Para-Judoka nur noch in den Gewichtsklassen: Männer -60, -73, -90 und +90 kg und Frauen -48, -57, -70 und +70 kg. Männliche Judokämpfer in den Klassen bis 66 kg, bis 81 kg und bis 100 kg müssen sich nun entscheiden. Nehmen sie zukünftig sechs bis 10 Kilogramm ab, um eine Klasse tiefer zu kämpfen oder nehmen sie entsprechend zu, um überhaupt eine Chance in der höheren Gewichtsklasse zu haben. Gleiches gilt für die Frauen in den Gewichtsklassen bis 52 kg, bis 63 kg und bis 78 kg.

Von dieser Neuregelung ist auch der Olympia-Fünfte von Tokio, der Ibbenbürener Judoka Oliver Upmann betroffen. Oliver, der immer noch der knapp verpassten Bronzemedaille von den Paralympischen Spielen in Tokio im letzten Jahr nachtrauert, war in Heidelberg noch nicht am Start. Er hat für sich noch nicht entschieden, ob er in zwei Jahren die Paralympics in Paris noch einmal in Angriff nehmen wird. Er müsste allerdings mit seinem Köpergewicht von ca. 100 Kilogramm mindestens 20  Kilogramm Gewicht aufbauen oder aber 10 Kilogramm abnehmen, um realistische Erfolgschancen zu haben.

Erstmals nach seiner schweren Verletzung, die er sich bei den Paralympics in Tokio zugezogen hatte, wieder in Heidelberg am Start war der deutsche Weltranglistenerste in der Klasse J2 bis 73 kg Nikolai Kornhaß. Nikolai merkte man bei seinem Start den Trainingsrückstand noch an, aber die Bundestrainerin Carmen Bruckmann ist sicher, dass der deutsche Spitzen-Judoka schon bald wieder zur alten Stärke zurückkehren und damit zu einem ernsten Anwärter auf eine Goldmedaille 2024 in Paris wird.