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21.10.19 16:30 Alter: 22 Tage
Von: Dr. Wolfgang Janko


ID-Europameisterschaften in Köln

120 Teilnehmer aus 15 Nationen


Fotos: Jürgen Gramsch

Die ASV-Sporthalle in Köln war an zwei Tagen Schauplatz der ID-Europameisterschaften im Judo. ID-Judo (Intellectuall Disability Judo) ist Judo für geistig behinderte Sportlerinnen und Sportler. Gekämpft wurde in drei Wettkampfklassen.

Für die 2. ID-Europameisterschaften hatten sich 120 Teilnehmer aus 15 Nationen angemeldet. Nach Waage und Klassifizierung wurden die Judokas nach Gewicht und Level in die zu kämpfenden Wettkampfklassen aufgeteilt. Gekämpft wurde im Pool-System (Jeder gegen Jeden), ab sechs Teilnehmern erfolgte die Aufteilung in zwei Pools.

Am ersten Wettkampftag betraten die Athleten erstmals die Austragungsstätte in der ASV-Sporthalle. Was sie dort vorfanden, war einfach großartig und kaum zu toppen. Eine ausgeleuchtete Kampffläche mit einer großartigen Video-Wand, so dass alle Kämpfe für Zuschauer und Teilnehmer auch auf der Großleinwand verfolgt werden konnten. Anwesend waren auch die beiden Präsidenten des Deutschen Judo-Bundes und des Deutschen Behindertensportverbandes, Peter Frese und Friedhelm Julius Beucher.

Gekämpft wurde am Vormittag und am Nachmittag in zwei Wettkampfabschnitten. Nach der jeweiligen Wettkampfsequenz erfolgte unmittelbar die Siegerehrung. Schon am Morgen konnte NRW mit Victoria Breidenstein aus Hünxe in der Klasse bis 78 kg und Christian Pallas aus Dülmen in der Klasse bis 60 kg zwei Europameister stellen. Hinzu kamen im Laufe des langen Tages noch Silbermedaillen von Anja Vriesen (Bocholt) bis 78 kg, Phil Taraschinski aus Hamm im Schwergewicht, Tobias Weyck (Leverkusen) in der Klasse bis 73 kg und Christoph Vriesen (Bocholt) in der Klasse bis 90 kg. Jeweils eine Bronzemedaille erkämpften Lennart Klaus (Hünxe) bis 60 kg, Ben Musaeus (Hückeswagen) bis 73 kg, Victor Gdowczok (Köln) bis 81 kg, Daniel Gietzold (Leverkusen) bis 90 kg, Daniela Schneider (Hünxe) bis 48 kg, Stefanie Drescher (Hückeswagen) bis 57 kg und Lisa Heise (Mülheim) bis 70 kg. NRW-Trainer Frank Schuhknecht konnte mit dem Abschneiden seiner Athleten am ersten Tag, mit dem Gewinn von 13 Medaillen, sehr zufrieden sein.

Sonntag gingen dann die Athleten der Wettkampfklasse 1 an den Start. Die Wettkämpfe erfolgten auf spürbar höherem Niveau. Hier zeigte sich besonders, dass es über den Begriff der geistigen Behinderung in Europa noch keinen einheitlichen Standard gibt. Während in Deutschland bisher verstärkt darauf geachtet wurde, dass ausschließlich Judokas mit einer klaren Zuordnung zu dieser Gruppe bei den Wettbewerben starten können, scheint der Begriff in anderen Ländern doch etwas großzügiger ausgelegt zu werden. Mitunter waren deutliche Kompetenzunterschiede in Bewegungen, Techniken, vor allem in Schnelligkeit und taktischem Verhalten zu beobachten. Das dokumentierten auch die Wettkampfzeiten, denn viele Begegnungen endeten schon nach wenigen Sekunden.

Dennoch konnten sich auch am zweiten Wettkampftag NRW-Athleten in vielen Klassen durchsetzen und insgesamt zwölf Medaillen gewinnen. Besonders schwer musste Andrea Kuhne aus Bocholt in der Klasse über 78 kg kämpfen. Ihre Gegnerin sah nur wenige Sekunden vor dem Ende schon wie eine sichere Siegerin aus, aber mit einem einrucksvollen Kraftakt kam Andrea doch noch mit ihrer Technik durch und konnte mit einem abschließenden Haltegriff   ihren in London gewonnenen Titel erfolgreich verteidigen. Eher überraschend war dagegen die zweite Goldmedaille durch Stephanie Knopp aus Leverkusen in der Klasse bis 52 kg, die alle ihre Kämpfe innerhalb der ersten Minuten gewinnen konnte. Silbermedaillen gab es für die beiden amtierenden Weltmeisterinnen Jasmin Siebelitz (Hünxe) bis 70 kg und Carina Niemeyer (Dülmen) bis 78 kg. Aber auch die NRW-Männer konnten sich mit drei Silbermedaillen durch Patrick Barendonk (Bocholt) bis 66 kg, Timo Karmasch (Hünxe) bis 90 kg und Wolfgang Trost (Leverkusen) im Schwergewicht behaupten. Bronzemedaillen erkämpften sich noch Evin Celiktas (Leverkusen) bis 52 kg, Sandra Kock (Dülmen) plus 78 kg, Andre Conen (Leverkusen) bis 73 kg und in der 81-kg-Klasse gemeinsam Christian Brieler (Hamm) und Dominic Rath (Wuppertal).

Von vielen Zuschauern und internationalen Trainern und Funktionären wurden die 2. Europameisterschaften im ID-Judo sehr gelobt. Durch das Team um Klaus Gdowczok und VG-Projekt wurde in Köln ein Standard gesetzt, der für zukünftige Spitzenveranstaltungen wohl nur schwer zu erreichen sein wird. Dennoch erklärte sich Russland auf der Abschlussdiskussion in Köln bereit, 2021 die 2. ID-Judo-Weltmeisterschaften auszurichten. Damit sollte der Wunsch der ID-Judokas, spätestens 2028 bei den Spielen in Los Angeles „paralympisch“ zu werden, endlich in Erfüllung gehen.

 

Alle Ergebnisse:


Männer Level 1

-60 kg (5 Teilnehmer):
1. Srdjan Vucelja, SER
2. Lesley Ijzerman, NED
3. Anatolii Sadakov, RUS
3. Henry Unterseher, GER
5. Andreas Gramsch, GER

-66 kg (3 Teilnehmer):
1. Thomas Mawdsley, GBR
2. Patrick Barendonk, GER
3. Medhi Dergham, FRA

-73 kg (6 Teilnehmer):
1. Denis Koctiunin, RUS
2. Joshua Hemsley, GBR
3. Rémi Chea, FRA
3. André Conen, GER
5. Olivier Boisgard, FRA
5. Tom Doering, GER

-81 kg (7 Teilnehmer):
1. Christopher Murphy, GBR
2. Ben Larivière, BEL
3. Christian Brieler, GER
3. Dominic Rath, GER
5. Kevin Pot, GER
5. Bastian Wind, GER
7. Jusa Jokiniemi, FIN
            
-90 kg (3 Teilnehmer):
1. Ifeanyi Oguejiofor, FRA
2. Timo Karmasch, GER
3. Jasper Holtackers, NED

-100 kg (3 Teilnehmer):
1. Samuel Dietz, GER
2. Mikey Lomas, GBR

+100 kg (6 Teilnehmer):
1. Sven Fueg, AUT
2. Wolfgang Trost, GER
3. Jonathan Brunin, BEL
3. Jurgen van der Heijden, NED
5. Kristof Surinx, BEL
5. Lars Wichert, GER


Frauen Level 1

-52 kg (3 Teilnehmerinnen):
1. Stephanie Knopp, GER    
2. Nikki McDermott, GBR    
3. Evin Celiktas, GER

-70 kg (4 Teilnehmerinnen):
1. Kayleigh Heerikhuisen, NED    
2. Jasmin Siebelitz, GER    
3. Sonja Cramer, GER    
3. Melina Voges, GER

-78 kg (3 Teilnehmerinnen):
1. Bushra Ersoy, FRA    
2. Carina Niemeyer, GER    
3. Sian Camp, GER

+78 kg (6 Teilnehmerinnen):
1. Andrea Kuhne, GER    
2. Anna Goldenstein, GER    
3. Kseniia Gorchakova, RUS    
3. Sandra Kock, GER    
5. Nadege Humeau, FRA    
5. Jennifer Zucht, GER


Männer Level 2

-60 kg (4 Teilnehmer):
1. Christian Pallas, GER    
2. Lukas Duhs, AUT    
3. Lennart Klaus, GER    
3. Benjamin Schlageter, GER

-66 kg (7 Teilnehmer):
1. Alexandre Le Fevre, BEL    
2. Kyle Jones, GBR    
3. Miroslaw Kostka, POL    
3. Christian Kroll, GER    
5. Olivier Greday, GER    
5. Lennart Nies, BEL    
7. Valentin Freitag, GER

-73 kg (4 Teilnehmer):
1. Benedikt Tröger, GER    
2. Tobias Weyck, GER    
3. Mahé Thomas, BEL    
3. Maximilian Jonetzek, GER

-81 kg (3 Teilnehmer):
1. Kristof Meeus, BEL
2. Ziga Vangos, SLO    
3. Florian Linsner, GER

-90 kg (8 Teilnehmer):
1. Michal Bryl, POL    
2. Christoph Vriesen, GER    
3. Daniel Gietzold, GER    
3. Nik Jerkovic, SLO    
5. Dennis Kim Lam, GER    
5. Marten Poels, BEL    
7. Andre König, AUT    
7. Tobias Zirbisegger, AUT

-100 kg (6 Teilnehmer):
1. Paul Vogl, AUT
2. Maximilian Massepp, GER    
3. Florian Huber, GER    
3. Christian Meenken, GER    
5. Martin Barkow, GER    
5. Jens Windmolen, BEL

+100 kg (3 Teilnehmer):
1. Saso Kovac, SLO    
2. Phil Taraschinski, GER    
3. Marco Blum, GER


Frauen Level 2

-48 kg (3 Teilnehmerinnen):
1. Carolin Anzinger, GER    
2. Jennifer Strauß, GER    
3. Daniela Schneider, GER

-57 kg (4 Teilnehmerinnen):
1. Skye Westwood, GBR    
2. Cindy Auduc, FRA    
3. Stefanie Drescher, GER    
3. Alessia Schmidt, GER

-70 kg (5 Teilnehmerinnen):
1. Jenny Öster Hall, SWE    
2. Janine Dietert, GER    
3. Pauline Zorn, GER    
3. Ann-Christin Waldmann, GER    
5. Tina Skerlep, SLO

-78 kg (2 Teilnehmerinnen):
1. Victoria Breidenstein, GER    
2. Anja Vriesen, GER

+78 kg (4 Teilnehmerinnen):
1. Angelina Salli, GER    
2. Christina Wollinger, GER    
3. Maja Weber, GER
3. Christine Schlachter, GER    


Männer Level 3 (Down Syndrom)

-73 kg (5 Teilnehmer):
1. Marcin Liszcz, POL    
2. Elias Duhs, AUT    
3. Ben Musaeus, GER    
3. Adam Wisniewski, POL    
5. Hein Flörken, GER

-81 kg (4 Teilnehmer):
1. Aljaz Colaric, SLO
2. Shaun Banks, GBR   
3. Victor Gdowczok, GER    
3. Anthony Decuyper, BEL    


Frauen Level 3 (Down Syndrom)

-57 kg (3 Teilnehmerinnen):
1. Sandra Zirbisegger, AUT    
2. Anna Rybicka, POL
3. Chloé Beloin, GER

-70 kg (3 Teilnehmerinnen):
1. Azra Dedic, BIH    
2. Lara Holzmüller, GER    
3. Lisa Heise, GER