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16.08.21 07:35 Alter: 1 Jahre
Von: Angela Andree


Gabriele Gramsch und Bernard Freitag Ehrenamtler des Monats August

Judo für Menschen mit einer Behinderung


Gabriele Gramsch und Bernard Freitag

Nach den Olympischen Spielen folgen traditionell die Paralympics. Bei den Paralympics sind Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen startberechtigt. In verschiedenen Sportarten kämpfen sie um Medaillen und Bestleistungen. Judo ist seit 1988 (Männer) und 2004 (Frauen) paralympisch. Startberechtigt sind Judokas mit einer Sehbehinderung oder Erblindung. Aus Deutschland waren vier Judokas bei den Para-Judo-Wettbewerben in Tokio am Start.

In Nordrhein-Westfalen (NRW) gibt es eine ganze Reihe an Vereinen, die Judo für Menschen mit einer Behinderung anbieten. Insbesondere auch im ID-Judo, welches oftmals übersetzt wird als „Judo mit einem Handicap“. Auch hier finden Wettbewerbe auf Landes- und Bundes- sowie auf internationaler Ebene statt. Seit 2007 ist ID-Judo fest im Programm der Special Olympics verankert. Sicher auch ein Verdienst von Dr. Wolfgang Janko, Pionier in der Entwicklung des Behinderten-Judo in NRW, der sich nicht nur im Nordrhein-Westfälischen Judo-Verband (NWJV) immer wieder für die Belange behinderter Menschen einsetzt. „Spätestens mit der UN-Konvention zur Inklusiven Gesellschaft ist auch der inklusive Sport bei uns in aller Munde. Im Prinzip hatten sich viele unserer Judovereine schon lange vorher inklusiv aufgestellt, da sie immer wieder einzelne Judokas mit einer Behinderung in den Trainingsalltag integrierten.“ (Quelle: Budoka 1-2/2021).

Da sich Wolfgang maßgeblich für die Entwicklung des Judo der Behinderten und damit auch für die Qualifizierung von Judo-Trainerinnen und Trainern eingesetzt hat, kann der NWJV-Ressortleiter auf großartige Erfolge zurückblicken. Die Verbreitung des ID-Judo war und ist ihm bis heute eine Herzensangelegenheit und es erfreut ihn sehr, dass er inzwischen viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter hat. An dieser Stelle möchten wir zwei Judokas vorstellen, die sich seit mehr als 20 Jahren für Judokas mit Behinderungen einsetzen und aus ihren Vereinen und im NWJV nicht mehr wegzudenken sind.

Gabriele Gramsch, Abteilungsleiterin und ID-Judo-Trainerin beim 1. Budokan Hünxe, begann 1967 beim 1. Beecker Judo-Club mit Judo. Bereits fünf Jahre später absolvierte die Fachlehrerin für Sonderpädagogik die Prüfung zum 1. Kyu und kurz danach die Ausbildung zur allgemeinen Übungsleiterin und Judo-Trainerin. Schön früh galt ihre Liebe der Förderung von behinderten Kindern und Jugendlichen. Sie leitete Sportförder- und Kinderturngruppen, Eltern-Kind-Gruppen sowie Judo-Gruppen. Im Jahre 2007 erwarb Gabi, wie sie im allgemein genannt wird, die Fachübungsleiterlizenz Judo-Rehabilitationssport. Seitdem galt ihr Augenmerk ganz der Entwicklungsförderung behinderter Menschen durch Judo. Durch die regelmäßige Trainingsteilnahme sollten die Judokas nicht nur in ihrer körperlichen Entwicklung gefördert werden, sondern auch in ihrer Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.

Dass der 1. Budokan Hünxe einmal zu einem der erfolgreichsten ID-Vereine auf Landes- und Bundesebene werden sollte, hatte sich Gabi in den Anfängen nicht träumen lassen. Doch ihr Engagement, die Unterstützung von Trainerkollegen, u. a. Landestrainer Frank Schuhknecht, und den Eltern der von Gabi betreuten Kindern und Jugendlichen haben zu dem Erfolg beigetragen. Bei den Special Olympics, der größten inklusiven Sportveranstaltung in Deutschland, oder bei Landesmeisterschaften kommen die Hünxer Judokas regelmäßig mit Titel- und Medaillengewinnen zurück. Dass Jasmin Siebelitz, eine Judoka aus Hünxe, die Goldmedaille bei den World Games, den Special Olympics der ID-Judokas, gewinnen konnte, macht sie bis heute stolz. Auch bei der Besetzung der Plätze für das Internat der ID-Judokas in Frechen, führte Gabi unzählige Gespräche mit den Beteiligten. Heute ist sie stolz, dass zwei der fünf Plätze von Judokas des 1. Budokan Hünxe belegt sind. Gabi – der NWJV dankt dir für dein Engagement und ist stolz mit dir eine so erfolgreiche und engagierte Trainerin im Verband zu haben.

Bernard Freitag, Trainer bei der DJK Dülmen, engagiert sich ebenfalls seit mehr als 20 Jahren für die Förderung behinderter Judokas. Im Jahre 1997 erwarben Bernard und seine Frau Christina die Fachübungsleiterlizenz Judo-Rehabilitationssport. Von da an waren sie von der Arbeit mit behinderten Menschen derart begeistert, dass Bernard ein Jahr später eine Behindertenabteilung im Verein gründete. Dabei geht sein Vereinsengagement weit über das Trainerdasein hinaus. Eigentlich ist er der „Hans Dampf in allen Gassen“. Sei es bei der Ausrichtung von Turnieren, Meisterschaften und Lehrgängen. Nichts geht ohne Bernard. „Ich würde sagen, Bernard lebt ID-Judo“ so Dr. Wolfgang Janko anlässlich der Feiern zum 100-jährigen Vereinsjubiläum. In diesem Rahmen richtete der Verein im Jahr 2020 auch die Landesmeisterschaften im ID-Judo aus. Es gab für die Ausrichtung Lob von allen Seiten und die Dülmener Judo-Frauen bereiteten Bernard mit dem Titelgewinn ein besonderes Geschenk.

Apropos Titelgewinn – zwei der Dülmener Judokas haben es bis in die Weltspitze des ID-Judos geschafft. Michaela Stutz und Carina Niemeyer gewannen bei den ersten Weltmeisterschaften der ID-Judokas 2017 in Köln jeweils die Goldmedaille. Zudem erwarb Michaela Stutz im selben Jahr als erste ID-Judoka bundesweit den 1. Dan. Nur gut, dass seine Ehefrau Christina, auch Judoka und Trainerin, Verständnis für seine Leidenschaft hat. Mit viel sportlichem Sachverstand setzt sich Bernard für die Belange der Judokas ein. In Kooperation mit dem Anna-Katharinenstift Karthaus leitet er wöchentlich eine Judogruppe mit ca. 25 Menschen mit Behinderung. Unterstützt wird er dabei von seinen Trainern und Hilfstrainern, um die Gruppe optimal betreut zu wissen.

Die DJK Dülmen ist ein Verein, der laut Dr. Wolfgang Janko, in ganz Deutschland mit Abstand die meisten ausgebildeten Judo-Behinderten-Übungsleiter in den eigenen Reihen hat. Sicher auch ein Verdienst von Bernard, der diese unentwegt motiviert sich aus- und fortzubilden. Die DJK Dülmen weiß, dass sie zu den Menschen gehen muss, die nicht mobil sind, um in den Verein kommen zu können. Inklusion, und damit gleichberechtigt und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben, kann nur dann gelingen, wenn sich die Strukturen ändern. Solange beispielsweise fehlende Mobilität ein Hemmnis für die Ausübung von Judo ist, bedarf es Menschen wie Bernard, die das möglich machen. Der NWJV bedankt sich herzlich bei Bernard und ist stolz mit dir einen so erfolgreichen Trainer im Verband zu haben.

 

  
Mit der neu geschaffenen Auszeichnung „Ehrenamtler des Monats“ zeichnet der Nordrhein-Westfälische Judo-Verband in 2021 ein Jahr lang jeden Monat besonders für den NWJV engagierte Judokas aus. Die Auszeichnung erfolgt in verschiedenen Kategorien und wird vom NWJV-Präsidium in Abstimmung mit dem Verbandsausschuss getroffen.

Anmerkung: Die für das Jahr 2020 vorgesehenen Ehrungen „50 Jahre Judo - Judo ein Leben lang“ werden im Laufe des Jahres 2021 nachgeholt. Bei Rückfragen: Angela Andree, E-Mail: angela.andree@nwjv.de oder Tel.: 0203 7381-627.