Stark im Sport. Stark für NRW
NWJV setzt auf Screening und Prehab für gesündere Judoka
Verletzungen gehören zum Leistungssport dazu – doch viele von ihnen sind vermeidbar. Genau hier setzt der Nordrhein-Westfälische Judo-Verband (NWJV) mit seinem systematischen Screening und dem darauf aufbauenden Judo Prehab-Programm an. Ziel ist es, Athletinnen und Athleten langfristig gesünder, belastbarer und leistungsfähiger zu machen.
Seit 2022 untersucht der NWJV seine Nachwuchsathlet:innen regelmäßig mit einer standardisierten Testbatterie. Statt auf Bauchgefühl setzten die Trainerinnen und Trainer auf objektive Daten aus den Bereichen Beweglichkeit, motorische Kontrolle, dynamische Stabilität und Kraft. Was als Projekt mit den männlichen U18-Landeskadern begann, ist inzwischen fest etabliert: Zweimal jährlich werden heute alle Landeskader – männlich wie weiblich – getestet. Mehr als 170 Athlet:innen haben bereits teilgenommen.
Das Screening erfüllt dabei eine doppelte Funktion: Zum einen werden individuelle Defizite frühzeitig erkannt – idealerweise, bevor daraus Verletzungen entstehen. Zum anderen entstehen belastbare Vergleichswerte für jede Athletin und jeden Athleten. Diese individuellen Ausgangsdaten spielen insbesondere nach Verletzungen eine entscheidende Rolle: Sie helfen dabei, den richtigen Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg zu bestimmen und das Risiko eines zu frühen Wiedereinstiegs zu minimieren.
Die Auswertung der bisherigen Screenings zeigt klare Muster. Besonders häufig treten Einschränkungen in der Schulterbeweglichkeit auf, vor allem bei männlichen Athleten. Auch Defizite im Sprunggelenk – insbesondere bei Athletinnen – sowie Probleme in der Hüftbeweglichkeit und der Stabilität der Lenden-Becken-Hüft-Region sind weit verbreitet. Zudem zeigen etwa ein Drittel der Judoka relevante Seitenunterschiede bei Sprung- und Landebewegungen – ein bekannter Risikofaktor für Knieverletzungen.
Aus genau diesen Erkenntnissen ist das NWJV Judo Prehab-Programm entstanden. Es handelt sich nicht um ein allgemeines Standardprogramm, sondern um ein gezielt entwickeltes Trainingskonzept, das auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Athlet:innen abgestimmt ist. Das Programm umfasst fünf klar strukturierte Trainingsblöcke:
- Fuß- und Sprunggelenksmobilität
- Hüftmobilität
- Schultermobilität
- Core-Stabilität
- Sprungkraft und Balance.
Die Einheiten sind bewusst kompakt gehalten: Mit einer Dauer von etwa 10 bis 30 Minuten und einer Anwendung von drei Mal pro Woche lassen sie sich problemlos in den Trainingsalltag integrieren – sei es im Aufwärmen, nach der Einheit oder als eigenständiges Training. Trainer:innen können dabei gezielt Schwerpunkte setzen, während Athlet:innen individuell an ihren Schwachstellen arbeiten.
Besonderer Wert wurde auf die Praxistauglichkeit gelegt. Das Programm ist so aufgebaut, dass es auch ohne sportwissenschaftliche Vorkenntnisse direkt im Verein umsetzbar ist. Verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, klare Dosierungsvorgaben sowie hilfreiche Tipps und Hinweise zu typischen Fehlern erleichtern die Anwendung. Zusätzlich kommt das Programm nahezu ohne spezielles Equipment aus – es genügt das, was ohnehin in jeder Judohalle vorhanden ist.
Mit dem Screening und dem Prehab-Programm leistet der NWJV einen wichtigen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung des Judosports in Nordrhein-Westfalen. Das Ziel ist klar: weniger Verletzungen, mehr Leistungsfähigkeit und langfristig gesunde Athlet:innen – im Verein ebenso wie auf der nationalen Wettkampfbühne.
Alle Materialien und Informationen stellt der NWJV den Vereinen kostenlos auf der Homepage im Bereich Nachwuchsleistungssport zur Verfügung.
Bei Fragen steht NWJV-Athletiktrainerin Miryam Roper als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

